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Kristina Stella: Geheimnisse und Wahrheiten. Die Tagebücher der Brigitte Reimann

Überarbeitete Fassung des Aufsatzes
zu Brigitte Reimanns 90. Geburtstag am 21. Juli 2023


Die fehlenden Tagebücher

Brigitte Reimann führte seit ihrem vierzehnten Lebensjahr ein Tagebuch. Mit sechsundzwanzig, frisch verheiratet und kurz vor ihrem Umzug nach Hoyerswerda, machte sie eine Zäsur: sie verbrannte am 11. November 1959 ihre Aufzeichnungen aus den Jahren 1947 bis 1954. Zwanzig Hefte voller persönlicher Erlebnisse, Reflexionen der politischen Umbrüche, Zeitungsausschnitte, Bilder. Brigitte Reimann bereute es sofort und notierte noch am selben Tag: „Eben habe ich meine Tagebücher aus den Jahren 1947 bis 1953 verbrannt – wohl zwanzig Stück –, und jetzt tut mir das Herz weh, als hätte ich etwas Lebendiges vernichtet, irgendein Teil von mir selbst.“ /1/

Auch die Tagebücher aus dem Zeitraum vom 15. Dezember 1970 bis zu Brigitte Reimanns Tod fehlen. Darüber, welches Schicksal die Tagebücher aus den Jahren 1970 bis 1973 ereilt hat, kann nur spekuliert werden. Folgen wir Irmgard Weinhofen und Juergen Schulz, dann sind diese Tagebücher nach Brigitte Reimanns Tod auf ominöse Weise verschwunden.

Zunächst kursierte jahrzehntelang die These, dass es diese Tagebücher überhaupt nie gegeben habe. Doch zahlreiche Indizien und Beweise, die nach und nach mittels akribischer Forschungsarbeit ans Licht kamen, weckten immer größere Zweifel an dieser Behauptung.

Brigitte Reimann hatte die Angewohnheit, auf den letzten Seiten jedes Tagebuchs Vorausschau zu halten, auf das nächste Buch Bezug zu nehmen. Diese Vorausschau gibt es am 14. Dezember 1970 nicht. Das Tagebuch bricht ohne jede Erklärung an jenem Tag ab. Tatsache ist, dass die letzten Seiten dieses Tagebuchs entfernt wurden. Wie genau es dazu kam, wird wohl niemals geklärt werden können.

Wenn Brigitte Reimann im Krankenhaus lag und ihr das Briefpapier ausgegangen war, riss sie manchmal leere Seiten aus ihrem Tagebuch, um diese als Briefpapier zu verwenden. Das hatte sie schon einmal am 16.02.1970 gemacht – für einen Brief an Wolfgang Schreyer. Wolfgang Schreyer bedankte sich am 01.04.1970 für den Brief: „Dein Tagebuch-Blatt lag vorgestern auf dem Tisch, als ich abends aus Berlin vom MfK [Ministerium für Kultur – K.S.] zurückkam […]“ /2/

Den Brief an Helene und Martin Schmidt vom 20.03.1971 – geschrieben zu einem Zeitpunkt, für den die Existenz von Tagebüchern bis dato umstritten war – schickte Brigitte Reimann aus der Robert-Rössle-Klinik in Berlin-Buch. Auch dieser Brief ist eindeutig auf einem Tagebuchblatt geschrieben und Brigitte Reimann erwähnte es sogar explizit: „[P.S.] Ich hab kein Briefpapier mehr, mußte eine Seite aus dem Tagebuch reißen – Pardon!“ /3/ Leere Blätter konnte es nur in einem Tagebuch geben, das Brigitte Reimann gerade in Arbeit hatte. Alle beendeten Tagebücher schrieb sie stets bis zur letzten Seite voll.

Zusätzlich zu ihrem persönlichen Tagebuch führte Brigitte Reimann von Juni 1967 bis Juni 1972 die von ihr so genannte „Chronik“. Darin notierte und kommentierte sie wichtige politische Ereignisse und ergänzte diese durch lose eingelegte Zeitungsartikel und andere Notizen. Für die Chronik benutzte sie dieselben schwarzen Kunstleder-Kladden im DIN A5-Format wie für ihr privates Tagebuch. Es war höchst unwahrscheinlich anzunehmen, dass die todkranke Brigitte Reimann nachgewiesenermaßen bis zum Juni 1972 eine Chronik über politische Ereignisse führte, jedoch nach dem 14.12.1970 keine Kraft mehr aufzubringen vermochte, ihr privates Tagebuch weiterzuführen.

Inzwischen kann als gesichert gelten, dass es diese Tagebücher gegeben hat und dass die beiden engsten Vertrauten ihrer letzten Lebensjahre, Irmgard Weinhofen und Juergen Schulz, die Wahrheit ausgesprochen hatten.

Brigitte hatte eine kleine Truhe, die wurde nach ihrem Tod aufgebrochen und es fehlten die Tagebücher aus ihren letzten Lebensjahren. […] Ich sehe die mit schwarzem Kunststoff bezogenen Hefte noch vor meinem geistigen Auge. Ich habe gesehen, wie sie darin geschrieben hat. Fast täglich, auch über Dinge, die über das Persönliche hinausgingen, Reaktionen auf tagespolitische Ereignisse, Reaktionen auf Zeitungsartikel oder offizielle Verlautbarungen, Gespräche mit Kollegen oder Freunden. Ein wesentliches Stück persönlichen Lebens, ein Stück Alltag einer Schriftstellerin, die gegen eine unmenschliche Krankheit ankämpfte, ein wesentliches Stück ihrer Gedankenwelt um die Figur ihrer Franziska Linkerhand fehlt uns bis heute. /4/

Ob Brigitte Reimanns späte Tagebücher durch ihren letzten Ehemann und Alleinerben Dr. Rudolf Burgartz (1943–2015) wirklich vernichtet wurden, mag ob dessen Angewohnheit, auch noch das kleinste persönliche Erinnerungsstück aufzuheben und über Jahrzehnte hinweg sorgfältig aufzubewahren, zumindest bezweifelt werden.

Brigitte Reimanns Liebesbeziehungen im Spiegel ihrer Tagebücher

Jeder, der Brigitte Reimann genauer kennt, persönlich oder durch Beschäftigung mit ihrem Leben und Werk, weiß, wie ihre emotionale Beziehungskurve immer wieder auf die gleiche Weise verlief: von intensivster Nähe und fast kritikloser Zuneigung bis zu Distanz und manchmal sogar zu Überdruss. Dies in vielen Fällen innerhalb weniger Wochen oder sogar Tage.

Dass wir über die Beziehung zu ihrer ersten großen Liebe Klaus, genannt Kolja, und ihren ersten Mann Günter Domnik, genannt Frosch, nur spärliche Zeugnisse haben, liegt daran, dass Brigitte Reimann ihre Tagebuchaufzeichnungen aus jener Zeit am 11. November 1959 selbst vernichtet hat.

Das Auf und Ab ihrer – heute würden wir sagen „On-off-Beziehung“ – mit ihrem zweiten Mann Siegfried Pitschmann, genannt Daniel, die 1958 begann, dokumentieren ihre Tagebucheintragungen und beider Briefwechsel bis fast ins kleinste Detail; vom Anfang bis zum Ende.

Hans Kerschek, Monsieur K. oder Jon, der dritte Ehemann und Brigitte Reimanns größte Liebe, scheint aus ihrem Beziehungsmuster zunächst herauszufallen. Die in Brigitte Reimanns Tagebuch festgehaltenen kritischen Bemerkungen über ihn geben zumeist die Aussagen Dritter wieder. Die Zusammenfassung jedoch, die Brigitte Reimann ihrer Jugendfreundin Veralore Schwirtz in ihrer schonungslos offenen Art 1972 – ein knappes Jahr vor ihrem Tod – gab, belehrt uns eines Besseren.

Ich glaube, es war eine fabelhafte Zeit, und ich hätte mich für ihn buchstäblich in Stücke reißen lassen, habe nicht gesehen, daß meine Freunde ihn haßten, daß er jeden vor den Kopf stieß mit seinem bösartigen Witz, daß er mich ausnützte (Herrgott, was für einen Haufen Schulden habe ich für ihn bezahlt – er konnte einfach nicht mit Geld umgehen: aber selbst diese Schlamperei liebte ich an ihm –), aber er war mein bester, schärfster Kritiker und – verzeih, wenn ich solche Indiskretion begehe – bei ihm habe ich das Höchste, Herrlichste an körperlicher Leibe erfahren. /5/

Dass auch der letzte Ehemann, Rudolf Burgartz, zehn Jahre jünger als Brigitte Reimann und an ihrer Seite bis zu ihrem Tod, Teil dieses immer wiederkehrenden Verlaufs war, können wir nur vermuten, denn die Tagebücher brechen ab, kurz nachdem sich beide kennengelernt hatten. Aus Brigitte Reimanns bereits erwähntem Brief an Veralore Schwirtz wissen wir jedoch, was der Arzt Rudolf Burgartz Brigitte Reimann bedeutete, und wir können erahnen, auf welche Weise er ihr in ihren letzten Lebensmonaten beigestanden hat.

Ich werde ihm nie vergessen, wie gütig und aufopfernd er mich pflegte, als ich – kaum waren wir ein paar Monate zusammen – wieder krank wurde (zum drittenmal Krebs, diesmal in einem anderen Rückenwirbel, was wir damals aber noch nicht ahnten) und wochenlang im Bett lag und vor Schmerzen heulte. […] Als es zu schlimm wurde, brachte er mich wieder nach Buch, und dort hat er erfahren – was ich natürlich nicht wußte – daß ich unheilbar krank bin und eigentlich schon seit Monaten tot sein müßte. Und trotzdem hat er mich geheiratet, sobald ich entlassen wurde. /6/

Nach Brigitte Reimanns Tod schickte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Spitzel zu Burgartz, um die Tagebücher der streitbaren Schriftstellerin zu konfiszieren. Doch Rudolf Burgartz gab sie nicht heraus. Heute werden Brigitte Reimanns Tagebücher (endend mit dem 14.12.1970) im Brigitte-Reimann-Archiv des Literaturzentrums Neubrandenburg aufbewahrt.

Im Auge des Ministeriums für Staatssicherheit

Ab 1972 beobachtete das Ministerium für Staatssicherheit mit zunehmender Sorge Brigitte Reimanns Gesundheitszustand. Hierfür setzten sie eine ganze Spitzel-Kompanie auf die Schriftstellerin an: den Leiter des Literaturzentrums Neubrandenburg Tom Crepon alias „Klaus Richter“, den Schriftstellerkollegen und „Franziska-Linkerhand-Gutachter“ Günter Ebert alias IM „Neupeter“, die Schriftsteller Franz Freitag alias „Hugo“ und Joachim Wohlgemuth alias „Paul Fiedler“, sowie Brigitte Reimanns Rechtsanwalt Horst Fitzer alias „Schwalbe“. Im Fokus standen Brigitte Reimanns Tagebücher und das skandalumwitterte Linkerhand-Manuskript. Jede, auch noch so kleine, Information der Spitzelbrigade wurde minutiös in den Stasi-Akten notiert und gesammelt.

Besonders „Neupeter“ war nicht zimperlich in der Bewertung seiner Schriftstellerkollegin, der gegenüber er stets eine freundschaftliche Beziehung vorheuchelte. Am 5. Mai 1972 petzte er seinem Stasi-Offizier.

Ich habe wenig Lust, mich weiter mit ihr zu beschäftigen. Sie ist eine Nervensäge für mich. Jetzt habe ich das 13. Kapitel ihres Romans „Franziska Linkerhand“ begutachtet und ihr sagen müssen, daß der dort geschilderte Romanteil ein offener Angriff auf unseren Staat darstellt. Sie hat in diesem Teil einen Fall aus Leipzig verschlüsselt wiedergegeben, wo der Schriftsteller Loest eingesperrt wurde, weil er eine Listensammlung für die Frau eines Konterrevolutionärs veranstaltet hat. So etwas ähnliches macht ihr Held jetzt auch. Er unterstützt die Frau eines Republikflüchtigen und wird dafür 4 Jahre ins Zuchthaus gesteckt. /7/

Der vom DDR-Geheimdienst befürchtete „worst case“ war, dass nach Brigitte Reimanns Tod sowohl ihre Tagebücher als auch das „Franziska-Linkerhand-Manuskript“ in der Bundesrepublik Deutschland landen und dann dort verlegt werden könnten. Dies sollte um jeden Preis verhindert werden. Deshalb wurden auch sämtliche Westkontakte Brigitte Reimanns penibel überwacht: Von Reimanns in Amsterdam lebender Freundin Irmgard Weinhofen über den Abenteuerschriftsteller Wolfgang Schreyer, der Brigitte Reimann mit reichlich Westlektüre versorgte, bis hin zum Bruder Ludwig in Hamburg kontrollierte die Stasi all jene Stellen, über die die Dokumente in den Westen gelangen könnten.

Das MfS fürchtete den politischen Sprengstoff, den die beiden Texte vor allem bei einer Publikation im Westen darstellen könnten. Von „Franziska Linkerhand“ wussten sie es bereits, denn der getreue „Neupeter“ fungierte in perfekter Tarnung als Gutachter für das Romanmanuskript.

Der Roman wird einen Umfang von 16 Kapiteln und ca. 600 Seiten umfassen. Vor einigen Wochen hatte der IMS das 13. Kapitel zur Einschätzung. Hierbei mußte er feststellen, daß der dort dargelegte Stoff sich gegen die Rechtsprechung unseres Staates richtet. /8/

Den Inhalt der Tagebücher allerdings kannte niemand als Brigitte Reimann, und die im MfS kursierenden Spekulationen darüber ließen die imaginäre Bedrohung ins Unermessliche wachsen. „Neupeter“ schürte diese Angst mit seinem Bericht vom 6. September 1972.

Es geht das Gerücht um, dass sie ihrem Mann kein geistiges Eigentum nachlässt (Tagebücher, Briefwechsel usw.) sondern wahrscheinlich ihrem Bruder, der in Hamburg lebt (wahrscheinlich Schiffbauingen.). Die näheren konkreten Beziehungen sind nicht bekannt. Es soll ein Testament bestehen, in dem dies geregelt ist. Die Tagebücher und Briefe sind überhaupt nicht bekannt. Sie sind wichtiger als der Roman. /9/

Ein Testament Brigitte Reimanns wäre der Schlüssel zu den Dokumenten. Im Bericht eines ungenannten IM vom 12.09.1972 fand das MfS einen Hinweis, der das Vorgenannte zu bestätigen schien: […] [geschwärzt] kam dann wieder auf das Testament zu sprechen, das er als einziger genau kennt und in dem B. sehr schlecht wegkommt. Er würde sich hüten, B. davon etwas zu sagen. /10/

Der Leiter des Literaturzentrums Neubrandenburg, Tom Crepon alias „Klaus Richter“, wurde auf Brigitte Reimanns Ehemann Rudolf Burgartz angesetzt. Am 13.10.1972 meldete er mündlich Vollzug und Hauptmann Jung protokollierte.

Auftragsgemäß besuchte er den Ehemann der Schriftstellerin Brigitte Reimann – Dr. Burgartz – unter der Legende, er hat einen persönlichen Brief an seine Frau geschrieben und ob er diesen bei seinem nächsten Besuch mitnehmen würde. In der Unterhaltung teilte Dr. B. dem IMS mit, daß seine Ehefrau nach wie vor in Berlin-Buch liegt und gegenwärtig noch nicht abzusehen ist, wann sie mal nach Hause zurückkehren wird. Ihr persönliches Befinden sei sehr wechselhaft und schwankend. Im Gespräch konnte der IM in Erfahrung bringen, daß sie ihre Tagebücher mit nach Berlin genommen hat. Er selbst [Burgartz – K.S.] hat sie bisher noch nicht zur Einsichtnahme gehabt. /11/

Beim Folge-Treff mit Hauptmann Jung berichtete „Klaus Richter“ am 21.11.1972 über den Fortgang der Ereignisse.

Der IM hat auftragsgemäß an Brig. Reimann 2 Briefe nach Berlin-Buch geschrieben. Er hat weder durch ihren Ehemann noch durch sie persönlich eine Rückantwort bzw. Reaktion erhalten. Brig. Reimann soll es wieder etwas besser gehen nach Auskunft des Gen. Bentzien, 1. Sekretär des Kulturbundes, welcher ihr ein Diktiergerät mitgenommen hat, um ihren Roman zu beenden. /12/

„Klaus Richter“ erhielt nunmehr den Auftrag, „den Kontakt zu dem Ehemann von Brig. Reimann“ zu halten „und diesen ständig ab[zu]schöpfen“. /13/ Darüber hinaus sollte er:

Den Lyriker Lindemann beeinflussen, den Kontakt zu Burgartz festigen und diesen veranlassen, das er die Tagebücher, Briefe u. dergleichen an ihn zur Aufbewahrung und Auswertung übergibt. Nach Erhalt der Dokumente durch Lindemann sind wir [das MfS – K.S.] sofort zu verständigen. /14/

Am 20. Februar 1973 starb Brigitte Reimann im Krankenhaus in Berlin-Buch.

Am 6. März berichtete „Neupeter“ detailliert über seine gemeinsame Eisenbahnfahrt mit Rudolf Burgartz nach Berlin zu Brigitte Reimanns Beerdigung. Sein „Gesprächsprotokoll“ enthält die drei entscheidenden Punkte: Testament, Tagebücher und „Franziska Linkerhand“. Es liefert außerdem den Beweis dafür, dass Brigitte Reimann ihr Tagebuch auch nach dem 14.12.1970 weitergeführt hat: Die Hochzeit von Brigitte Reimann und Rudolf Burgartz fand am 14. Mai 1971 statt. „4 Wochen nach der Heirat“ bedeutet demnach, dass der erwähnte Tagebucheintrag etwa vom Juni 1971 stammt – jener Zeit, für die die Existenz von Tagebüchern angezweifelt wurde.

Ein Testament liegt dem Gatten nicht vor. Sie hätte mit ihm darüber auch nicht gesprochen. So falle der gesamte geistige Nachlass und 3/4 der materiellen Werte an ihn. In dieser Woche kommen die Genossen Bentzien und Lewerenz zu ihm nach Neubrandenburg und regeln mit ihm die Übergabe des geistigen Nachlasses. Sie würden auch Anspruch auf die Tagebücher erheben. Dabei lassen sie sich von ihm den Erbschein vorlegen, der ihn notariell als Erben ausweist. Diesen würde er beantragen. Falls ein Testament vorliegt, wird er einen Erbschein nicht erhalten.


liegt dem Verlag vollständig vor. Bei einem weiteren Exemplar fehlt der vorletzte Teil, der noch nicht auffindbar ist. Der Verlag möchte alle 3 Exemplare haben. So solle verhindert werden, daß ein Exemplar auf irgendeinem Weg nach Westdeutschland kommt. Das war das Hauptergebnis des Bahngespräches mit Burgartz. /15/

Vier Tage später, am 10.03.1973, hielt Juergen Schulz die Details der Transaktion in einem Brief an Irmgard Weinhofen fest, den das BStU abfing, kopierte, prüfte und als Kopie in seinen Akten ablegte. Aus diesem Brief geht auch hervor, dass es sich bei den verschollenen Tagebüchern um zwei Bände handelt.


Der Verlag und das Ministerium sind gestern bei ihm gewesen, haben ihm die Tagebücher abgekauft, ich weiß nicht wieviel er bekommen hat, die Summe ist auf jeden Fall vier, wenn nicht fünfstellig. Zwei Tagebücher, die aus seiner Zeit hat er nicht zur weiteren Verwendung frei gegeben, weil er in diesen Tagebuchaufzeichnungen bloßgestellt wird. /16/

Sehr viel später, am 30.06.1976, präzisierte „Klaus Richter“ beim IM-Treff die Situation der Tagebücher.

Soweit mir aus Gesprächen und Unterhaltungen mit Günter Ebert bekannt ist, sollen die Tagebücher der B. Reimann beim Verlag „Neues Leben“ in Berlin liegen. Als Verantwortlicher für derartige Sachen ist der Reflektor [sic!] Walter Lewerenz, der nach dem Tode der B. auch die Verhandlungen mit Burgartz geführt hat, zwecks Übernahme des geistigen Nachlasses. Nach Angaben G. Ebert hat Burgartz eine einmalige Abfindung von [geschwärzt] Mark für die Tagebücher bekommen und hat damit die Rechte auf die Tagebücher verloren. Das bezieht sich aber nicht auf Veröffentlichungen. Hier muß das Einverständnis von B. vorliegen. Anders sieht es aus, wenn Personen die Tagebücher einsehen wollen, für die Anfertigung einer wissenschaftlichen Abhandlung oder einer derartigen Arbeit. /17/

Inzwischen befinden sich die insgesamt zehn vorhandenen Tagebücher Brigitte Reimanns, die den Zeitraum vom 31. August 1955 bis zum 14. Dezember 1970 umfassen, im Brigitte-Reimann-Archiv des Literaturzentrums Neubrandenburg. Die letzten Seiten des zehnten Tagebuchs sind, möglicherweise in großer Eile, recht unsanft entfernt worden. Die herausgetrennten Seiten und die anschließenden zwei, „nicht zur Verwendung frei gegebenen“ Tagebuchbände sind bis heute verschollen.

Wie der abenteuerliche Fund der Kiste mit den originalen Reimann-Dokumenten in einem Hoyerswerdaer Mietshauskeller zeigt, oder jener des Nachlasses von Brigitte Reimanns Mentor und Schriftstellerkollegen Otto Bernhard Wendler in einem Berliner Keller, der bislang verschollen geglaubte Reimann-Manuskripte aus Wendlers persönlichem Besitz enthält (Literaturhaus Magdeburg), besteht durchaus die Chance, dass Brigitte Reimanns verschollene Tagebücher noch auftauchen. Die Zeit dafür wäre reif.

/1/ Reimann, Brigitte: Ich bedaure nichts : Tagebücher 1955–1963. – 1997. – Seite 123.
/2/ Ich möchte so gern ein Held sein : Brigitte Reimann und Wolfgang Schreyer ; der Briefwechsel. – 2018. – Seite 213.
/3/ Brigitte Reimann an Helene und Martin Schmidt. – 20.03.1971. – Privatbesitz Kristina Stella.
/4/ Schulz, Juergen. – In: Was ich auf dem Herzen habe. – 2008. – Seite 199.
/5/ Reimann, Brigitte: Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf! : Briefe an eine Freundin im Westen. – 1995. – Seite 174.
/6/ Ebd. – Seite 179.
/7/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1329/80, Bd. II, Blatt 150–151.
/8/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1329/80, Bd. II, Blatt 156.
/9/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1329/80, Bd. II, Blatt 166.
/10/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AOP, Nr. 632/74, Bd. II, Blatt 180.
/11/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1071/87, Bd. II, Blatt 7. [und:] BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AOPK, Nr. 259/73, Bd. I, Blatt 164.
/12/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1071/87, Bd. II, Blatt 8.
/13/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1071/87, Bd. II, Blatt 8.
/14/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1071/87, Bd. II, Blatt 21.
/15/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1329/80, Bd. II, Blatt 173–174.
/16/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AOP, Nr. 632/74, Bd. II, Blatt 226.
/17/ BArch, MfS, BV Neubrandenburg, AIM, Nr. 1071/87, Bd. II, Blatt 101.

Did you know …

In the course of my research, I repeatedly come across facts that link the biography and work of Brigitte Reimann, Siegfried Pitschmann and their fellow writers off the beaten track: supposedly minor details that establish interesting connections or reveal sympathetic details. I use and publish almost all of them in my books, magazine articles and lectures. Sometimes, however, they are somewhat hidden in afterwords and notes or in specialist publications that are not so well known to the general reading public. I therefore invite you to join me on a voyage of discovery in „Did you know …“.

Did you know …

… what was behind the name „Romeo“ used by the GDR Ministry for State Security – and what it had to do with Brigitte Reimann?
Until the end of his life, Siegfried Pitschmann suspected that Hans Kerschek had been deliberately commissioned by the State Security as a so-called „Romeo“ to destroy his marriage to Brigitte Reimann. This suspicion was not entirely unfounded, as the „ménage à trois“ between Reimann, Pitschmann and Kerschek, which lasted almost four years, ultimately led to the divorce of Brigitte Reimann and Siegfried Pitschmann on October 13, 1964, which was followed almost seamlessly by Reimann’s marriage to Kerschek on November 27 of the same year. The term „Romeo“ was used to describe spies whose job was to enter into a romantic relationship with a predetermined target person in order to use them, for example, to „skim“ information of interest to the intelligence services. „Romeos“ were good-looking, very intelligent and had a strong sexual aura. All of this was particularly true of Hans Kerschek – at least in Brigitte Reimann’s eyes.
Before publishing the correspondence between Brigitte Reimann and Siegfried Pitschmann, it was therefore necessary to clarify this question. To this end, the editor consulted the MfS files on Hans Kerschek. The result of the research clearly proves that Siegfried Pitschmann’s assumption cannot be substantiated on the basis of the available documents in the archive of the Federal Commissioner for the Records of the State Security Service of the former German Democratic Republic (BStU). The declaration of commitment by IM „Ewald“ alias Hans Kerschek is dated October 2, 1968 (Archive BStU, MfS, BV Cottbus AIM 228/79 Vol. I, page 17), a date on which Brigitte Reimann had already been Kerschek’s wife for four years. On November 18, 1968, the writer left Hoyerswerda and moved to Neubrandenburg. Hans Kerschek did not follow her, but instead entered into a new relationship.
Read more in: „Would have been nice!“ The correspondence between Brigitte Reimann and Siegfried Pitschmann

Did you know …

… what is behind the license number of GDR books?
In the GDR, the license number was a national book number comparable to the „International Standard Book Number“ (ISBN). It was issued until 1989; from 1986 to 1989 in parallel to the ISBN. The license number consists of the following four blocks of digits: publisher’s number / publisher’s number for printing permission / serial number of the publication within the calendar year / year of publication. Until the early 1960s, however, there were some deviations from this structure, for example with military publishers.
The license number is an important key to finding the respective printing permission process. In the GDR, every publication had to go through an extensive and standardized printing approval process before publication, which was documented in writing. For this purpose, the publication was given a print number, which is identical to the last three blocks of digits of the license number.
The printing approval processes are now held in the Federal Archives and can be accessed via an online index.



Did you know …

… that Brigitte Reimann’s and Siegfried Pitschmann’s texts sometimes flowed together as if nested inside each other?
In the last months of the war in 1945, Siegfried Pitschmann and some of his classmates were sent to station duty a few kilometers away from his hometown of Grünberg (now Zielona Góra). He processed these memories, which haunted him for the rest of his life, in several stories, most of whose protagonists bear the name Gottfried (Siegfried Pitschmann’s eldest brother, who died in the last days of the war).
Brigitte Reimann used Siegfried Pitschmann’s experiences on station duty in an alienated form as the central motif of her 1960 story „The Confession“: the event for which her protagonist Martin feels guilty and – in the certain assumption that he will now be sentenced for it – goes to the judge.


Did you know …

… that Brigitte Reimann’s urn found its final resting place at the Ostfriedhof cemetery in Burg on July 20, 2019?
Brigitte Reimann would have been 86 years old on July 21, 2019. The writer would probably never have imagined that her mortal remains would make an eventful journey in the footsteps of the Reimann family up to this point: on February 20, 1973, Brigitte Reimann succumbed to cancer in Berlin-Buch Hospital. The funeral service organized by the German Writers’ Association took place on 2 March at the Berlin-Baumschulenweg cemetery. Brigitte Reimann was buried in her home town of Burg on April 3, 1973. In 1991, the urn grave was transferred to Oranienbaum (the home of Brigitte Reimann’s younger brother Ulrich) and buried next to her parents Willi and Elisabeth Reimann. On March 26, 2019, Brigitte Reimann’s urn was brought back to Burg from the Oranienbaum cemetery on behalf of the town of Burg and in consultation with the Reimann family. Since July 20, 2019, Brigitte Reimann’s urn and gravestone have been located at the Ostfriedhof in Burg (old part of the cemetery), Berliner Chaussee 139a, 39288 Burg (near Magdeburg).
„Many liked her, with her tricky sense of reality, behind which she sometimes expected a second reality, with her preference for loud colors and noises, some were suspicious of her premature sympathies, antipathies, with her scent for the current, necessary, and a few hated her with her addiction to truthfulness, which could also offend. Very vulnerable herself, always, and therefore fearless, brave, often to the limit of what was reasonable – a lot of mimicry, if you looked closely. Now that she is no longer here, her far too short life seems like a constant alternation of departures and arrivals.“
Siegfried Pitschmann („Sonntag“, 04.03.1973)

Did you know …

… that almost all of Siegfried Pitschmann’s literary texts, who would have turned 89 on January 12, 2019, feature a clock?
Siegfried Pitschmann was so influenced by his apprenticeship with Mühlhausen watchmaker Gottfried Rost that he „hid“ detailed information about watches and how they work in almost all of his literary works and drawings and also wrote several (published and unpublished) stories on the subject. A selection of Pitschmann’s drawings can be found in „Wär schön gewesen!“ (correspondence with Brigitte Reimann) and the book „Siegfried Pitschmann in Mühlhausen“.



Did you know …

… how Reiner Kunze’s famous children’s book „The Lion Leopold“ got its unmistakable cover image?
For Christmas 1969, Marcela gave her father Reiner Kunze twelve envelopes that she had painted herself with small flower and animal motifs, one for each month. Reiner Kunze sent the envelope with a tiny lion to S. Fischer Verlag as a New Year’s greeting. The publisher liked Marcela’s drawing so much that the „envelope lion“ became the „book cover lion“.
Read more in: „The letter as such would feel honored

Did you know …

… that both Brigitte Reimann and Siegfried Pitschmann have written a Christmas story?
Brigitte Reimann’s story „Bei der halben Nacht“ was written for the 1961 Christmas edition of „Wochenpost“. The story consists of three independent episodes, all set in Hoyerswerda and on Christmas Eve, with an open ending. The protagonists of all three episodes work at the Schwarze Pumpe combine.
The Christmas story is introduced by Brigitte Reimann herself as follows: „The house I live in is brand new, and the city is new, a city out of a construction kit, with ruler-straight streets and shaggy little trees. Sometimes, on the heavy, gray winter evenings, the air tastes of the smoke and soot of the big factory that is beginning to stretch its pipe fingers over the heath. In my blue and yellow house, it still smells of paint and the harsh smell of concrete, but on the walls in the stairwell there are already useless inscriptions and scrawny little men, like children draw them … I’ve had a year to get to know my neighbors – and now the year is coming to an end, it’s Christmas, a quiet, frosty night with a slanting moon over the snow-spotted roofs, and the house is filled with a warm, fragrant broth in which the scents of honey cake and apples and pine needles mingle.“

Siegfried Pitschmann’s story „Das Fest“, set on Christmas Eve 1957, was written for the 1960 Christmas edition of „Wochenpost“.
In 1957, modern-day gold diggers, socialist heroes and failed existences lived and worked in Trattendorfer Heide, between the towns of Spremberg and Hoyerswerda, who came together to build the Schwarze Pumpe lignite combine for reasons of money, idealism or a roof over their heads. „When five workers celebrate Christmas together in ‚Das Fest‘ with goose legs and peppermint fudge by the light of real candles and one of them tells how his mother died on the run – you feel a lump in your throat. Pitschmann could have become a Charles Bukowski. But he would have had to leave. He died in 2002.“ (Andreas Montag in „Mitteldeutsche Zeitung“, 27.02.2016) The complete collection of Siegfried Pitschmann's „Erzählungen aus Schwarze Pumpe“ was published as a book by Aisthesis-Verlag in 2016.
Read more in: „Tales from Schwarze Pumpe

Kristina Stella: Brigitte Reimann's life and work in the reception - before and after German reunification


The changed perspective on Brigitte Reimann’s life and work – before and after the fall of the Wall and from an East and West German perspective – could have been demonstrated by several of the writer’s literary texts, as her stories „Ankunft im Alltag“ („Arrival in Everyday Life“), „Die Geschwister“ („The Siblings“) and the novel „Franziska Linkerhand“ had already been published in both German states before 1989 and were also published in reunified Germany after the fall of the Wall.

However, I decided in favour of a different publication: the first edition of Brigitte Reimann’s diaries and letters. The book was published in 1983 under the title „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ (
„Brigitte Reimann in her letters and diaries“) 
on the occasion of Brigitte Reimann’s fiftieth birthday by the publishing house „Neues Leben“.[1] The editors of the volume were Walter Lewerenz, Brigitte Reimann’s former editor at the publishing house, and Elisabeth Elten-Krause, then an employee of the „Neubrandenburg Literature Centre“ and at that time already involved for several years in setting up the „Brigitte Reimann Archive“ there. Walter Lewerenz selected the diary extracts. Elisabeth Elten-Krause first painstakingly collated the letters and then made the selection for the volume.

The changed perception of Brigitte Reimann as a result of the cuts to the book manuscript

It is instructive to begin the different perspectives on Brigitte Reimann’s life and work with regard to the changes in the original book manuscript that took place before the book was published and far from the public eye.

On the occasion of the tenth anniversary of Brigitte Reimann’s death on 20 February 1983, the GDR press announced the imminent publication of „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“. The book was to be published for the author’s 50th birthday on 21 July.

However, this plan did not materialise. Only preprints were published for the birthday, and Walter Lewerenz still had to announce in his major article in the women’s magazine „Für Dich“: „Verlag Neues Leben is currently preparing the publication of a volume with selected letters and diary entries by the author.“[2] It was not until the end of the anniversary year 1983 that „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ was published. What had happened?

Officially, there was no censorship of book production in the GDR. In reality, however, the so-called „printing authorisation procedures“ fulfilled the same function: to be an instrument of control to enforce socialist cultural policy and to prevent so-called socially damaging publications. From 1963, the „Main Administration for Publishers and the Book Trade“ in the GDR’s „Ministry of Culture“ was responsible for handling these printing authorisation processes; at the time, it was headed by Klaus Höpcke. Each process was given its own number – this can be found in the imprint of all publications published in the GDR under the designation „Lizenznummer“ („licence number“).

The most important part of the printing authorisation process was a technical and ideological examination of the submitted manuscripts by means of several expert opinions. These were at least one publisher’s report and one external report from the „Main Administration of Publishing Houses and Book Trade“. As a result, changes to the manuscripts were often demanded and the granting of a printing licence was made dependent on their implementation. However, authors or editors always managed to save critical passages with a „compromise“ if they were prepared to make concessions elsewhere.

Even Brigitte Reimann’s testimonies could not have been published if Lewerenz and Elten-Krause had not been willing to compromise. The files preserved in the „Federal Archives“ bear witness to this[3].

However, it was not enough that the two editors had already taken the precaution of leaving out everything that could have jeopardised the granting of the printing licence when compiling the volume. They had done this primarily in order to meet the tight schedule, as the manuscript with the number 305/16/83 had only reached the „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ on 28 January 1983. Brigitte Reimann’s 50th birthday was just five and a half months later, and with it the planned publication date.

The publisher’s report and the external report by the employee of the „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ were enclosed with the application for printing authorisation. Despite the predominantly positive tenor, however, there were – seemingly subtle – critical comments in the external report, which, as it turned out, would have consequences.

„This selection is a documentation of the highest human, literary and political calibre […]. I am convinced that Brigitte Reimann’s posthumous diaries and letters will trigger a great movement among readers and am therefore in favour of their rapid publication. […] Minor suggestions for changes were communicated to the editors.“[4]

After examining the reviews, the fiction department at the headquarters sent a note to comrade Höpcke, which reached him on 3 March. When reading this note, it is particularly revealing to read carefully between the lines in the old GDR tradition. The beginning sounded completely harmless:

„All three of us [the reviewers] agree that the editors have succeeded in [selecting] from the diaries and letters what shows Brigitte Reimann to be a writer always working seriously on herself, creatively engaging with her environment and her time. Her relationship to labour and the working class, her struggle for literary quality, her search for truth and truthfulness could be expressed very convincingly. This volume of testimonies by Brigitte Reimann, 10 years after her death and on her 50th birthday, is a commitment to socialism and to our socialist state.“[5]

However, the subsequent text passage followed a different tenor:

„We would like to grant typesetting permission in advance [but not printing permission – K.S.], as we still need to discuss some passages with Walter Lewerenz that reflect B.R.’s opinion of party functionaries in the Cottbus district [sic!] We cannot do this at the moment, as he is in Buch for the whole of March for research. However, he knows that we will talk to him about cancellations. We ask for your agreement to this procedure.“[6]

Höpcke added by hand: „Cancellations not just about Cottbus“[7]. This meant that the manuscript could not be printed without extensive cuts. This meant that the planned publication date for the book could no longer be met. As already mentioned, Lewerenz deleted the objectionable passages so as not to jeopardise the publication as a whole, albeit belatedly. The surviving files of the printing authorisation process reported the success of the intervention measures: „According to the information provided by Gen. Lewerenz in his letter of 2 May 1983, which we requested in our discussions with him, we agree to the printing authorisation.“[8]

The diary edition „Ich bedaure nichts“, published by „Aufbau-Verlag“ in 1997, is used here as an example to reconstruct one of the requested cuts. An entry in Brigitte Reimann’s diary is about Siegfried Pitschmann’s suicide attempt in 1959, after his novel manuscript „Erziehung eines Helden“ („Education of a Hero“) had been criticised by the Writers’ Association and presented as a warning example and decadent. The following sentence had to be deleted: „They know the theory, but they don’t know the practice, and where the practice doesn’t agree with their ideas, it has to be changed and corrected.“[9] The full text can be found in „Ich bedaure nichts“:

„Oh, this shoulder-slapping gesture of help, this indulgent superiority of narrow-minded critics, who of course know everything much better! They know the theory, but they don’t know the practice, and where the practice doesn’t agree with their ideas, it has to be changed and corrected. This criticism was the last straw for Daniel, who was already worn down by our permanent plight.“[10]

Even if this single change seems rather marginal from today’s perspective, one can imagine that the larger number of such meaning-altering cuts that were demanded definitely changed the overall picture of the work. The now well-known effects of the cuts in Brigitte Reimann’s novel „Franziska Linkerhand“ are the best example of this.

In this way, the readers of the volume – without realising it – received a different impression of Brigitte Reimann’s words than would have been possible by reading the unadulterated original text.

The changed perception of Brigitte Reimann as a result of the book

Until 1983, Brigitte Reimann was known to the wider literary public primarily through her stories and the novel „Franziska Linkerhand“.[11] The GDR press had reviewed Reimann’s works, written about her literary merits and literary prizes and honoured Brigitte Reimann’s „life and work as exemplary for artistic creation based on firm socialist positions that contributes to the formation of socialist personalities“[12]. In the Federal Republic of Germany, Brigitte Reimann came to people’s attention after her novel „Franziska Linkerhand“ was published under licence by „Kindler“ in 1974[13].

The little that the public knew about Brigitte Reimann’s private life had been published scattered in various sources: in interviews by the author, for example with Klaus Steinhaußen („Sonntag“, 1963)[14], Klaus Höpcke („Neues Deutschland“, 1964)[15] and Günter Ebert („Freie Erde“, 1969)[16], in personal obituaries by her companions and fellow writers Siegfried Pitschmann („Sonntag“, 1973)[17], Annemarie Auer („Neues Deutschland“, 1973)[18], Günter Ebert („Freie Erde“, 1973)[19], Otto Fuhlrott („Volksstimme“, 1973)[20] and Helmut Sakowski („ndl“, 1974)[21], as well as in the published letters of Brigitte Reimann’s correspondence with Annemarie Auer[22] and with Hermann Henselmann[23].

The 24-page biography on her life and work, in which Elisabeth Elten-Krause had summarised all this scattered information, was probably known to very few people, as it had appeared in a small brochure published in 1978 by the „Neubrandenburg Literature Centre“ on the occasion of the fifth anniversary of Brigitte Reimann’s death.[24] Only the Neubrandenburg daily newspaper „Freie Erde“[25], the „Norddeutsche Neueste Nachrichten“[26] and the „Volkswacht“[27] had published excerpts from the publication at the time.

… after the publication of „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ in the GDR

At the end of 1983, with the publication of the volume „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“[28], the first „changed view“ of Brigitte Reimann began. The edition was a sensation because it provided insights into the background of the author’s creative process for the first time. But it was even more of a sensation because the published self-testimonies suddenly made Brigitte Reimann’s private persona visible to the literary public, her unhappy loves, her constant struggle for the text and her search for her political position within the GDR. This look behind the scenes of the writer’s public life attracted enormous attention. „Freie Erde“ wrote, for example:

„There are books that are the talk of the town before they are published. I encountered […] a familiar, but also a completely new Brigitte Reimann. Not an ascetic – despite her obsession with her literary work. She must have been a young woman who could rightly say of herself: ‚I have lived and lived and lived …‘.“[29]

Between 1983 and 1988, countless newspaper articles and magazine articles reported on the book, which appeared in a total of five editions and a book club edition during this period. The headlines spoke for themselves: „Writing about things“[30], „Curiosity about life“[31], „There was always a lust for life“[32], „She remains our Brigitte“[33], „Messages and confidences“[34], „Testimonies of a restless life“[35], „Franziska had to go her own way first“[36] and, of course, the well-known Reimann quote from her letter to Annemarie Auer dated 24 March 1963: „I have lived and lived and lived …“[37].

The East German press portrayed Brigitte Reimann as an author who, although critical, was thoroughly convinced of socialism and subordinated private details to the social view:

„Human esteem as an expression of value is gradually beginning to go back not to respect, but to what one has made of his own abilities, his own assets, what he brings to the community. This is one of the essential processes that takes place in the socialist revolution. Brigitte Reimann, a writer who writes in and for socialism, who nevertheless likes to seek the ‚protection of a broad male breast‘, who also needs personal relationships to protect her, to guard her.“[38]

From then on, the details of Brigitte Reimann’s biography became an inseparable part of publications about the author. The Jena student Uta Thümler also took advantage of the new publication and in 1984 wrote her thesis on the topic formulated by „Junge Welt“: „Franziska’s paths she first had to go herself“[39]. Thümler compared the letters and diary entries with the novel „Franziska Linkerhand“ and investigated how authentic personal experiences influence and permeate the reality of art[40].

… after the publication of the licence edition „Die geliebte, die verfluchte Hoffnung“ in the Federal Republic of Germany

The great response to Reimann’s self-testimonies in the GDR also attracted the attention of West German publishers. In the same year, „Luchterhand“ published the West German licensed edition. The changed title „Die geliebte, die verfluchte Hoffnung. Diaries and Letters 1947-1972“[41] already indicated the different reception in the two German states.

The original edition published by „Neues Leben“ included a one-and-a-half-page preface by the editors and an equally long short biography of Brigitte Reimann. The latter, however, had almost completely omitted personal details about Brigitte Reimann and limited itself to her literary biography. Only her father’s profession and the moves from Burg to Hoyerswerda and from there to Neubrandenburg were personal details that were communicated to the readers. The much more detailed biography in the licenced edition contained information about Brigitte Reimann’s illness with polio, the after-effects of which accompanied her throughout her life, about her four marriages and named cancer as the cause of the writer’s early death. Additional notes in the „Luchterhand“ edition provided information that was familiar to readers in the GDR but could not be taken for granted in the Federal Republic, clarified the editorial criteria mentioned by Lewerenz and Elten-Krause in their preliminary remarks and provided information on identifying the recipients of the letters:

„Since the addressees of the letters were not named by the editors, the reader will have some difficulty in determining which recipient comes into consideration in each case according to content and spelling, or whether he has a letter or diary extract in front of him. […] Among the letters, the numerous ones to the parents can be clearly distinguished by their boyish, deliberately childish and naïve tone, which often stands in stark contrast to the diary entries made at the same time.“[42]

It was only in 2014 that the names of the letter recipients were removed and a distinction between the diary and letter extracts was made possible[43].

The press response to the licensed edition was enormous and clearly exceeded that of the original edition in the GDR press – in which the licensed edition was not mentioned – in number and scope. Around fifty articles, some of them very detailed, appeared in German, Austrian and Swiss newspapers.

The headline in the „Süddeutsche Zeitung“ „From the estate of a woman unknown in this country“[44] got to the heart of the matter on the one hand, but was not entirely correct on the other, because Brigitte Reimann was already known to the West German reading public – especially female readers – as an important representative of GDR women’s literature through the licensed editions of „Franziska Linkerhand“ published by „Kindler“ (1974)[45] and „Deutscher Taschenbuch-Verlag“ Munic (1977)[46].

Of course, the newspapers also picked up on the quote „I have lived and lived and lived“[47], but the headlines were generally much more depressing than those of the GDR press: „Cursed hope“[48], „An unsparing life“[49], „Against pain“[50], „Writing: the really deep reason for living“[51], „Documents of lust for life and bravery“[52], „Longing, work, everyday life“[53], „A life against compromise“[54], „Precious time“[55], „The difficult art of the possible“[56] or, poetically, „Always hovering between memory, experience and conversation“[57].

The West German press took more or less no notice of the „commitment to socialism and to our socialist state“[58] that the state-appointed experts had attested to Brigitte Reimann’s self-testimonies. Instead, the reviewers focussed on the private details of the author’s life and her repeated and sometimes very clear criticism of the politics of her home country – without, however, questioning its right to exist.

Brigitte Reimann’s letters and diaries thus seemed to confirm the view of the writer as one of the most important representatives of East German women’s literature that had already been established since the publication of the licensed edition of „Franziska Linkerhand“ (1974):

„We remember the name of the writer Brigitte Reimann primarily by thinking of someone else: ‚Franziska Linkerhand‘. […] Brigitte Reimann writes about her passion and doubts; despite all her autonomy, she was always looking for a shoulder to lean on […] She was married four times, probably also because being together without a marriage licence was even more frowned upon in the GDR back then than it is today. […] And over time she […] probably also had growing doubts about what was supposed to be socialist realism […].“[59].

… after the fall of the Wall

Further editions of Brigitte Reimann’s letters were only published in reunified Germany: The correspondence with the writer Christa Wolf (1993)[60], the architect Hermann Henselmann (1994)[61], her childhood friend Veralore Schwirtz (1995)[62], the painter Dieter Dreßler (1999)[63], friend Irmgard Weinhofen (2003)[64], second husband and writer Siegfried Pitschmann (2013)[65], to her parents (2008)[66], with her siblings (2018)[67] and with fellow writer Wolfgang Schreyer (2018)[68].

Brigitte Reimann’s diaries were published in 1997 and 1998 under the titles „Ich bedaure nichts“ and „Alles schmeckt nach Abschied“ and were again a sensation[69].

After Brigitte Reimann’s self-testimonies, which were now much more comprehensive, were published in reunified Germany, one might have expected a common, all-German „changed view“ in the reception. However, this was not the case.

There were only differences in the East German reception. In the newspapers of the new federal states, the basic tenor of the reception had changed radically. The optimistic headlines that the GDR press had chosen in 1983, such as „Curiosity about life“[70] or „There was always a zest for life“[71], were suddenly no longer to be found after reunification. Newspapers in the new federal states now ran similarly depressive headlines as the West German press had done at the time: „Greed for life of an unfortunate person“[72], „Without boundaries between pleasure and pain“[73], „Work, affairs, alcohol“[74] or „I’m so goddamn alone“[75]. In addition, there were headlines that emphasised Reimann’s criticism of the system, such as „Life in the GDR hothouse“[76], „When hopes began to crumble“[77], „She felt no desire to flirt with power“[78] or „I like my country less and less“[79]. And this despite the fact that they were the same diaries – only in a much more comprehensive edition. Obviously, the „curiosity“ and „lust for life“ had suddenly faded into the background.

In 1983, it had still been said: „Brigitte Reimann was one of the first authors of our contemporary socialist literature who, from her own experience, sensitively and convincingly portrayed the path of young people, especially those from lower middle-class homes, into human relationships in the socialist working and living process of our republic that were still unfamiliar to them.“[80] In 1998, it sounded like this: „Socialism was not as it could have been and as she once dreamed it would be. Especially not in Hoyerswerda, the new showcase town.“[81]

The newspapers of the old federal states, on the other hand, remained largely true to themselves. There was no noticeable change in the public reception of the old federal states compared to 1984. „Blues of the East“[82], „Leased morals“[83] or „Without desire there is no life“[84] exactly reflected the mood of 1984, along with poetic variations such as „Amazon of a lost land“[85] or „I was a gullible fool“[86].

„Changed“ or „undistorted“ view?

The greatest change in the view of Brigitte Reimann was undoubtedly brought about by the fact that from 1983 onwards, in addition to her literary texts, private testimonies in the form of letters and diaries were published, which showed the writer from a previously unknown personal perspective.

The different perceptions of these testimonies – before and after German reunification and from the perspective of the new and old federal states – give the justified impression that the main aim was to convey what readers should see.

But is reading Brigitte Reimann’s letters and diaries, taken as a whole, possibly also very much about what we want to see? Is the reception of the writer’s self-testimonies perhaps not only about a „changed“, but also about an „undisguised view“? And is this even possible?

It seems as if one could pick out from Reimann’s words what one had always seen in her anyway – and above all what one wanted to see.

Can the intensity that her texts radiate also be explained by the fact that her readers find themselves in the person of Brigitte Reimann and in the autobiographically coloured protagonists of her literary texts in the most diverse ways? That they feel so close to the writer as if she were a close friend or family member? Is this perhaps precisely the reason why Brigitte Reimann’s self-testimonies in particular have inspired and enthused such a large readership and yet produced the contradictory statements described above in their reception? Is this the reason for the unbroken fascination with this woman – despite all the historical and political interplay?

Perhaps there is an answer „between the lines“?

The most popular reception of Brigitte Reimann’s diaries after reunification was undoubtedly the legendary discussion between Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler, Hellmuth Karasek and Jochen Hieber in the „Literary Quartet“ on 24 April 1998. The fact that all those present distinguished themselves by not mincing their words was one of their trademarks.

However, the fact that Reich-Ranicki, Löffler, Karasek and Hieber were all equally passionate about Reimann that evening – even though they discussed her controversially – and each wanted to defend and honour her in their own very special way, impressively demonstrates the special fascination of Brigitte Reimann.

The famous Reich-Ranicki quotes from the „Literary Quartet“ are well known; not so well known is Marcel Reich-Ranicki’s closing statement:

„And I am now thinking to myself at the end, what should we do? This book has now been published, what should we do for this very unusual woman, this Brigitte Reimann, who is no longer alive? What should we do for her? Name a street after her in Hoyerswerda or in Neubrandenburg, where she lived? No, I have another suggestion. We can only do one thing for this author who is not alive, for her and for us: read her book.“[87]

The Reimann boom that began after the programme went beyond all bounds. Brigitte Reimann had finally arrived in the now reunified Germany.

Notes

The essay is a revised and expanded version of my lecture „Der andere Blick : Brigitte Reimanns Leben und Werk aus der Sicht Ost- und Westdeutschlands – vor und nach dem Mauerfall“ (In: Zwischen literarischer Ästhetik und sozialistischer Ideologie. – Berlin : Steffen-Verlag, 2015. – Seite 203-216). Publication, even in extracts, or any other use of the material is only permitted with my express written authorisation.

[1] Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983.
[2] Lewerenz, Walter: Wie die Luft zum Atmen. – In: Für Dich, 1983. – Seite 30.
[3] Druckgenehmigungsvorgang zu „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“. – Bundesarchiv, DR 1/5436, Druck-Nummer 305/16/83.
[4] Ebd.
[5] Ebd.
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Ebd.
[9] Ebd.
[10] Reimann, Brigitte: Ich bedaure nichts. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1997. – Seite 118; Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983. – Seite 56.
[11] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1974.
[12] Brigitte Reimann verstarb nach schwerer Krankheit. – In: Neues Deutschland, 22.02.1973.
[13] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Kindler, 1974.
[14] Reimann, Brigitte; Steinhaußen, Klaus: Für mich ist Politik etwas sehr Persönliches. – In: Sonntag, 26.05.1963.
[15] Reimann, Brigitte; Höpcke, Klaus: Brigitte Reimann schreibt ihren ersten Roman. – In: Neues Deutschland, 11.07.1964.
[16] Reimann, Brigitte; Ebert, Günter: Gefühl für Städte. – In: Freie Erde, 16.05.1969.
[17] Pitschmann, Siegfried: Gedenken. – In: Sonntag, 04.03.1973.
[18] Auer, Annemarie: Ein genaues und tiefes Gefühl für Aktualität. – In: Neues Deutschland, 24.02.1973.
[19] Ebert, Günter: Gründlich und unermüdlich. – In: Freie Erde, 28.02.1973.
[20] Fuhlrott, Otto: Der Wirklichkeit ständig auf der Spur. – In: Volksstimme, 14.03.1973.
[21] Sakowski, Helmut: Brigitte Reimann. – In: Neue deutsche Literatur, 1974, Nummer 1. – Seite 97-105.
[22] Reimann, Brigitte; Auer, Annemarie: Zeugnis ablegen. – In: Was zählt, ist die Wahrheit. – Halle (Saale) : Mitteldeutscher Verlag, 1975. – Seite 287-330.
[23] Reimann, Brigitte; Henselmann, Hermann: Briefwechsel. – Berlin : Neues Leben, 1994.
[24] Elten-Krause, Elisabeth: Biografie zu Leben und Werk. – In: Brigitte Reimann. – Neubrandenburg: Literaturzentrum, 1978. – Seite 5-28.
[25] Elten-Krause, Elisabeth: Furchtlos, ungläubig heiter. – In: Freie Erde, 18.02.1978.
[26] Elten-Krause, Elisabeth: Versuche zum Mut. – In: Norddeutsche Neueste Nachrichten, 16.02.1978.
[27] Schubert, Sabine: Hohe Ansprüche an das Leben. – In: Volkswacht, 25.02.1978.
[28] Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983.
[29] Heiden-Berndt, A.: „Ich habe gelebt und gelebt …“. – In: Freie Erde, 16.03.1983.
[30] Kleinteich, Sylvia: Schreibend über die Dinge kommen. – In: Neue Zeit, 21.02.1983.
[31] Duwe, Marlies: Neugier auf das Leben. – In: Freie Erde, 20.07.1983.
[32] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: National-Zeitung, 09.01.1984.
[33] Iser, Dorothea: Sie bleibt unsere Brigitte. – In: Volksstimme, 26.04.1984.
[34] Zenker, Hartmut: Botschaften und Vertraulichkeiten. – In: Freie Erde, 27.01.1984.
[35] Löffler, Anneliese: Zeugnisse eines unruhigen Lebens. – In: Berliner Zeitung, 03./04.03.1984.
[36] Feyerabend, Wolfgang: Franziskas Wege mußte sie selbst erst gehen. – In: Junge Welt, 20.07.1983.
[37] Zimmermann, Verena: Ich habe gelebt und gelebt und gelebt. – In: Solothurner Zeitung, 12.09.1984.
[38] Jarmatz, Klaus: Ansprüche ohne Abstriche. – In: Wochenpost, 16.03.1984.
[39] Thümler, Uta: Persönlich-Authentisches und Kunstwirklichkeit. – Jena : Friedrich-Schiller-Universität, 1985.
[40] Walter Lewerenz an Uta Thümler, 08.01.1985. – In: Thümler, Uta: Persönlich-Authentisches und Kunstwirklichkeit. – Jena : Friedrich-Schiller-Universität, 1985. – Anhang.
[41] Die geliebte, die verfluchte Hoffnung. – Darmstadt/Neuwied : Luchterhand, 1984.
[42] Ebd. Seite 356.
[43] Stella, Kristina: Brigitte Reimann : Kommentierte Bibliografie und Werkverzeichnis. – Bielefeld : Aisthesis, 2014.
[44] Franke, Konrad: Aus dem Nachlaß einer Hierzulande Unbekannten. – In: Süddeutsche Zeitung, 12./13.05.1984.
[45] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Kindler, 1974.
[46] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1977.
[47] Matt, Beatrice von: Gelebt und gelebt und gelebt. – In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.1984.
[48] Grumbach, Detlef: Verfluchte Hoffnung. – In: Hamburger Rundschau, 18.04.1984.
[49] Krolow, Karl: Ein schonungsloses Leben. – In: Bergsträßer Echo, 19.04.1984.
[50] Zucker, Renée: Gegen den Schmerz. – In: Die Tageszeitung, 19.04.1984.
[51] Zeiger-Vogt, Marianne: Schreiben, der wirklich tiefe Grund zum Leben. – In: Neue Zürcher Zeitung, 27.04.1984.
[52] Eichmann-Leutenegger, Beatrice: Dokumente von Lebensgier und Tapferkeit. – In: Vaterland, 12.05.1984.
[53] Wiggershaus, Renate: Sehnsucht, Arbeit, Alltag. – In: Frankfurter Rundschau, 27.10.1984.
[54] Hochmüller, Almuth: Ein Leben gegen den Kompromiß. – In: Mannheimer Morgen, 24.05.1984.
[55] Ploetz, Dagmar: Die kostbare Zeit. – In: Deutsche Volkszeitung, 10.08.1984.
[56] Jäger, Manfred: Die schwere Kunst des Möglichen. – In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 08.07.1984.
[57] Brändle, Rea: „Immer schwebend zwischen Erinnerung, Erlebnis und Gespräch“. – In: Tages-Anzeiger, 03.08.1984.
[58] Druckgenehmigungsvorgang zu „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“. – Bundesarchiv, DR 1/5436, Druck-Nummer 305/16/83.
[59] Reichart, Manuela: Geliebte, verfluchte Hoffnung. – In: Die Zeit, 09.11.1984.
[60] Reimann, Brigitte; Wolf, Christa: Sei gegrüßt und lebe. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1993.
[61] Reimann, Brigitte; Henselmann, Hermann: Briefwechsel. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1994.
[62] Reimann, Brigitte; Schwirtz, Veralore: Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf! – Berlin : Elefanten Press, 1995.
[63] Reimann, Brigitte; Dreßler, Dieter: Eine winzige Chance. – Berlin : Edition Mariannenpresse, 1999.
[64] Reimann, Brigitte; Weinhofen, Irmgard: Grüß Amsterdam. – Berlin : Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 2003.
[65] Reimann, Brigitte; Pitschmann, Siegfried: „Wär schön gewesen!“ – Bielefeld : Aisthesis, 2013.
[66] Reimann, Brigitte: Jede Sorte von Glück. – Berlin : Aufbau-Verlag, 2008.
[67] Post vom schwarzen Schaf. – Berlin : Aufbau-Verlag, 2018.
[68] Reimann, Brigitte; Schreyer, Wolfgang: Ich möchte so gern ein Held sein. – Berlin : Okapi, 2018.
[69] Reimann, Brigitte: Ich bedaure nichts. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1997; Reimann, Brigitte: Alles schmeckt nach Abschied. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1998.
[70] Duwe, Marlies: Neugier auf das Leben. – In: Freie Erde, 20.07.1983.
[71] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: National-Zeitung, 09.01.1984.
[72] Heise, Ulf: Lebensgier einer Unglücklichen. – In: Thüringer Allgemeine, 20.02.1998.
[73] Wolf, Matthias: Ohne Grenze zwischen Lust und Schmerz. – In: Die Welt, 23.09.1997.
[74] Kaufmann, Ulrich: Arbeit, Affären, Alkohol. – In: Thüringische Landeszeitung, 11.04.1998.
[75] Heise, Ulf: „Ich bin so gottverflucht allein“. – In: Märkische Allgemeine, 21.04.1998.
[76] Liebers, Peter: Leben im Treibhaus DDR. – In: Märkische Oderzeitung, 14.01.1998.
[77] Walther, Joachim: Als die Hoffnungen zu bröckeln begannen. – In: Berliner Morgenpost, 11.01.1998.
[78] Heise, Ulf: Sie empfand keine Lust, mit der Macht zu flirten. – In: Leipziger Volkszeitung, 23.04.1998.
[79] Liersch, Werner: Mein Land gefällt mir immer weniger. – In: Der Freitag, 03.07.1998.
[80] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: Nationalzeitung, 09.01.1984.
[81] Kalenderblatt Brigitte Reimann. – In: Sächsische Zeitung, 20.02.1998.
[82] Siemons, Mark: Blues des Ostens. – In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.1998.
[83] Rauh, Inge: Gepachtete Moral. – In: Nürnberger Nachrichten, 16.01.1998.
[84] Stempel, Hans: Ohne Lust kein Leben. – In: Frankfurter Rundschau, 17.01.1998.
[85] Overath, Angelika: Amazone eines verlorenen Lands. – In: Neue Zürcher Zeitung, 07.05.1998.
[86] Mischke, Roland: „Ich war ein gutgläubiger Narr“. – In: Handelsblatt, 26./27.06.1998.
[87] Das literarische Quartett. – Berlin : Directmedia, 2006. – Band 3, Seite 86-87.

Kristina Stella: Brigitte Reimanns Leben und Werk in der Rezeption – vor und nach der deutschen Wiedervereinigung


Die veränderte Sichtweise auf Brigitte Reimanns Leben und Werk – vor und nach dem Mauerfall sowie aus ost- und westdeutscher Sicht – hätte sich an mehreren literarischen Texten der Schriftstellerin aufzeigen lassen, denn ihre Erzählungen „Ankunft im Alltag“, „Die Geschwister“ und der Roman „Franziska Linkerhand“ waren bereits vor 1989 in beiden deutschen Staaten erschienen und sind auch nach der Wende im wiedervereinigten Deutschland publiziert worden.

Entschieden habe ich mich jedoch für eine andere Publikation: Für die erste Ausgabe von Brigitte Reimanns Tagebüchern und Briefen. Das Buch wurde 1983 unter dem Titel „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ anlässlich Brigitte Reimanns fünfzigsten Geburtstags im Verlag Neues Leben veröffentlicht.[1] Herausgeber des Bandes waren Walter Lewerenz, Brigitte Reimanns ehemaliger Lektor im Verlag, und Elisabeth Elten-Krause, damals Mitarbeiterin des Literaturzentrums Neubrandenburg und zu dieser Zeit bereits seit mehreren Jahren mit dem Aufbau des dortigen Brigitte-Reimann-Archivs beschäftigt. Walter Lewerenz wählte die Tagebuchauszüge aus. Elisabeth Elten-Krause trug die Briefe zunächst in mühevoller Kleinarbeit zusammen und traf dann daraus die Auswahl für den Band.

Die durch die Kürzungen des Buchmanuskripts veränderte Wahrnehmung Brigitte Reimanns

Es ist aufschlussreich, den unterschiedlichen Blick auf Brigitte Reimanns Leben und Werk bereits hinsichtlich der – vor dem Erscheinen des Buches und fernab der Öffentlichkeit stattgefundenen – Veränderungen im ursprünglichen Buchmanuskript anzusetzen.

Anlässlich Brigitte Reimanns zehnten Todestags, am 20. Februar 1983, hatte die DDR-Presse die baldige Veröffentlichung von „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ angekündigt. Zum 50. Geburtstag der Autorin am 21. Juli sollte das Buch auf den Markt kommen.

Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Zum Geburtstag wurden lediglich Vorabdrucke veröffentlicht, und Walter Lewerenz musste in seinem großen Artikel in der Frauenzeitschrift „Für Dich“ immer noch ankündigen: „Zur Zeit bereitet der Verlag Neues Leben die Herausgabe eines Bandes mit ausgewählten Briefen und Tagebucheintragungen der Autorin vor.“[2] Erst am Ende des Jubiläumsjahres 1983 konnte „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ erscheinen. Was war passiert?

Offiziell gab es in der DDR keine Zensur der Buchproduktion. Tatsächlich jedoch erfüllten die sogenannten „Druckgenehmigungsvorgänge“ dieselbe Funktion: ein Kontrollinstrument zu sein zur Durchsetzung der sozialistischen Kulturpolitik und zur Verhinderung sogenannter gesellschaftsschädigender Publikationen. Ab 1963 war die „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ im „Ministerium für Kultur“ der DDR für die Abwicklung dieser Druckgenehmigungsvorgänge zuständig; damals geleitet von Klaus Höpcke. Jeder Vorgang erhielt eine eigene Nummer – diese findet sich im Impressum aller in der DDR erschienenen Publikationen unter der Bezeichnung „Lizenznummer“.

Wichtigster Bestandteil des Druckgenehmigungsverfahrens war eine fachliche und ideologische Prüfung der eingereichten Manuskripte mittels mehrerer Gutachten. Das waren mindestens ein Verlagsgutachten und ein Außengutachten der „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“. Im Ergebnis wurden häufig Änderungen an den Manuskripten gefordert, von deren Umsetzung die Erteilung der Druckgenehmigung abhängig gemacht wurde. Mit einem „Kompromiss“ gelang es Autoren oder Herausgebern allerdings immer wieder, kritische Textstellen zu retten, wenn sie bereit waren, an anderer Stelle Zugeständnisse zu machen.

Auch Brigitte Reimanns Selbstzeugnisse hätten nicht erscheinen können, wenn Lewerenz und Elten-Krause nicht kompromissbereit gewesen wären. Davon zeugen die im Bundesarchiv erhaltenen Akten.[3]

Doch es reichte nicht aus, dass die beiden Herausgeber bereits bei der Zusammenstellung des Bandes vorsichtshalber alles außen vor gelassen hatten, was ihrer Meinung nach die Erteilung der Druckgenehmigung hätte gefährden können. Dies hatten sie vor allem deshalb getan, um dem knappen Zeitplan gerecht zu werden, denn erst am 28. Januar 1983 hatte das Manuskript mit der Nummer 305/16/83 die „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ erreicht. Nur fünfeinhalb Monate später standen der 50. Geburtstag Brigitte Reimanns und damit der geplante Erscheinungstermin an.

Das Verlagsgutachten und das Außengutachten der Mitarbeiterin der „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ waren dem Druckgenehmigungsantrag beigefügt worden. Trotz des überwiegend positiven Tenors gab es jedoch im Außengutachten – scheinbar dezente – kritische Anmerkungen, die jedoch, wie sich zeigen sollte, Folgen haben würden.

„Diese Auswahl ist eine Dokumentation von höchstem menschlichen, literarischen und politischen Rang [...]. Ich bin überzeugt, daß die nachgelassenen Tagebücher und Briefe der Brigitte Reimann eine große Bewegung bei den Lesern auslösen werden und bin deshalb für ihre schnelle Drucklegung. [...] Geringfügige Änderungsvorschläge wurden den Herausgebern mitgeteilt.“[4]

Nach Prüfung der Gutachten schickte die in der Hauptverwaltung zuständige Abteilung Belletristik eine Notiz an Genossen Höpcke, die ihn am 3. März erreichte. Bei der Lektüre dieser Notiz ist es besonders aufschlussreich, in alter DDR-Tradition aufmerksam zwischen den Zeilen zu lesen. Der Anfang klang vollkommen harmlos:

„Wir [die Gutachter] stimmen alle drei überein, daß es den Herausgebern gelungen ist, das aus den Tagebüchern und Briefen [auszuwählen], was Brigitte Reimann als eine immer ernsthaft an sich arbeitende, sich schöpferisch mit ihrer Umwelt und ihrer Zeit auseinandersetzende Schriftstellerin ausweist. Sehr überzeugend konnten ihre Beziehungen zur Arbeit und zur Arbeiterklasse, ihr Ringen um literarische Qualität, ihr Suchen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit zum Ausdruck kommen. Dieser Band mit Zeugnissen von Brigitte Reimann, 10 Jahre nach ihrem Tod und zu ihrem 50. Geburtstag, ist ein Bekenntnis zum Sozialismus und zu unserem sozialistischen Staat.“
[5]

Doch die anschließende Textpassage folgte einem anderen Tenor:

„Wir möchten vorab eine Satzgenehmigung erteilen 
[aber keine Druckgenehmigung – K.S.], da es mit Walter Lewerenz noch über einige Stellen, die B.R.s Meinung über Funktionäre der Partei im Bezirk Cottbus widergeben [sic!], zu diskutieren gilt. Wir können das z. Z. nicht tun, da er sich den ganzen März über in Buch zu Untersuchungen aufhält. Er weiß aber, daß wir über Streichungen mit ihm reden werden. Wir bitten um Zustimmung zu dieser Verfahrensweise.“[6]

Höpcke ergänzte handschriftlich: „Streichungen nicht bloß über Cottbus“[7]. Und das hieß: Ohne weitgehende Kürzungen durfte das Manuskript nicht gedruckt werden. Damit war der geplante Erscheinungstermin des Buches nicht mehr zu halten. 
Um die Publikation, wenn auch verspätet, nicht insgesamt zu gefährden, strich Lewerenz, wie bereits erwähnt, die beanstandeten Textstellen. Die überlieferten Akten des Druckgenehmigungsprozesses vermeldeten den Erfolg der Intervenierungsmaßnahmen: „Nach den von Gen. Lewerenz mit Schreiben vom 2.5.83 angegebenen Streichungen, die von uns im Gespräch mit ihm gefordert wurden, stimmen wir der Druckgenehmigung zu.“[8]

Anhand der, 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen, Tagebuchausgabe „Ich bedaure nichts“ soll an dieser Stelle beispielhaft eine der geforderten Kürzungen rekonstruiert werden. In einem Tagebucheintrag Brigitte Reimanns geht es um Siegfried Pitschmanns Selbstmordversuch im Jahr 1959, nachdem sein Romanmanuskript „Erziehung eines Helden“ vom Schriftstellerverband verrissen sowie als warnendes Beispiel und als dekadent hingestellt worden war. Gestrichen werden musste der folgende Satz: „Sie kennen die Theorie, aber sie kennen die Praxis nicht, und wo die Praxis nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmt, muß sie umgelogen und zurechtgerückt werden.“[9] Der vollständige Text findet sich in „Ich bedaure nichts“:

„Ach, diese schulterklopfende Helfergeste, diese nachsichtige Überlegenheit von engstirnigen Kritikern, die natürlich alles viel besser wissen! Sie kennen die Theorie, aber sie kennen die Praxis nicht, und wo die Praxis nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmt, muß sie umgelogen und zurechtgerückt werden. Diese Kritik hat Daniel, der ohnehin zermürbt war durch unsere permanente Notlage, den Rest gegeben.“[10]

Auch wenn diese einzelne Veränderung aus heutiger Sicht eher marginal erscheint, kann man sich doch vorstellen, dass die geforderte größere Anzahl derart sinnverändernder Kürzungen das Gesamtbild des Werkes durchaus veränderte. Die mittlerweile bekannten Auswirkungen der Kürzungen in Brigitte Reimanns Roman „Franziska Linkerhand“ sind dafür das beste Beispiel.

Auf diese Weise erhielten die Leser des Bandes – ohne es zu wissen – einen anderen Eindruck von Brigitte Reimanns Worten, als es die Lektüre des unverfälschten Ursprungstextes ermöglicht hätte.

Die durch das Buch veränderte Wahrnehmung Brigitte Reimanns

Bis 1983 war Brigitte Reimann der breiten literarischen Öffentlichkeit vor allem durch ihre Erzählungen und den Roman „Franziska Linkerhand“ bekannt.[11] Die DDR-Presse hatte Reimanns Werke rezensiert, über ihre literarischen Verdienste und Literaturpreise geschrieben und das „Leben und Schaffen Brigitte Reimanns als beispielgebend für von festen sozialistischen Positionen ausgehendes künstlerisches Schaffen, das zur Bildung sozialistischer Persönlichkeiten beiträgt“[12] gewürdigt. In der Bundesrepublik war man auf Brigitte Reimann aufmerksam geworden, nachdem 1974 ihr Roman „Franziska Linkerhand“ als Lizenzausgabe bei Kindler erschienen war.[13]

Das Wenige, das die Öffentlichkeit über Brigitte Reimanns Privatleben wusste, war verstreut in verschiedensten Quellen publiziert worden: in Interviews der Autorin, 
zum Beispiel mit Klaus Steinhaußen (Sonntag, 1963)[14], Klaus Höpcke (Neues Deutschland, 1964)[15] und Günter Ebert (Freie Erde, 1969)[16], in persönlichen Nachrufen ihrer Weggefährten und Schriftstellerkollegen Siegfried Pitschmann (Sonntag, 1973)[17], Annemarie Auer (Neues Deutschland, 1973)[18], Günter Ebert (Freie Erde, 1973)[19], Otto Fuhlrott (Volksstimme, 1973)[20] und Helmut Sakowski (ndl, 1974)[21], sowie in den veröffentlichten Briefen der Korrespondenz von Brigitte Reimann mit Annemarie Auer[22] und mit Hermann Henselmann[23].

Die 24seitige Biografie zu Leben und Werk, in der Elisabeth Elten-Krause all diese verstreuten Informationen zusammengefasst hatte, dürfte den Wenigsten bekannt gewesen sein, da diese in einer kleinen Broschüre erschienen war; 1978 vom Literaturzentrum Neubrandenburg anlässlich des fünften Todestages Brigitte Reimanns herausgegeben.[24] Lediglich die Neubrandenburger Tageszeitung Freie Erde[25], die Norddeutschen Neuesten Nachrichten[26] und die Volkswacht[27] hatten damals Auszüge aus der Publikation gebracht.

… nach dem Erscheinen von „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“ in der DDR

Ende des Jahres 1983, mit dem Erscheinen des Bandes „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“[28], begann der erste „veränderte Blick“ auf Brigitte Reimann. Die Ausgabe war eine Sensation, weil sie erstmalig Einblicke in die Hintergründe des Schaffensprozesses der Autorin ermöglichte. Mehr noch aber war sie eine Sensation, weil die publizierten Selbstzeugnisse in der literarischen Öffentlichkeit plötzlich auch die private Person Brigitte Reimann sichtbar machten, ihre unglücklichen Lieben, ihr ständiges Ringen um den Text und ihr Suchen nach ihrer politischen Position innerhalb der DDR. Dieser Blick hinter die Kulissen des öffentlichen Lebens der Schriftstellerin zog enorme Aufmerksamkeit auf sich. Die Freie Erde schrieb zum Beispiel:

„Es gibt Bücher, die sind im Gespräch, bevor sie erscheinen. Mir ist […] eine vertraute, aber auch eine ganz neue Brigitte Reimann begegnet. Keine Asketin – trotz aller Besessenheit von ihrer schriftstellerischen Arbeit. Sie muß eine junge Frau gewesen sein, die mit vollem Recht auch von sich sagen konnte: ‚Ich habe gelebt und gelebt und gelebt …‘.“[29]

Unzählige Zeitungsartikel und Zeitschriftenaufsätze berichteten zwischen 1983 und 1988 über das Buch, das in dieser Zeit in insgesamt fünf Auflagen und einer Buchclubausgabe erschien. Die Überschriften sprachen für sich: „Schreibend über die Dinge kommen“[30], „Neugier auf das Leben“[31], „Immer war da Lebenslust“[32], „Sie bleibt unsere Brigitte“[33], „Botschaften und Vertraulichkeiten“[34], „Zeugnisse eines unruhigen Lebens“[35], „Franziskas Wege mußte sie selbst erst gehen“[36] und natürlich das bekannte Reimann-Zitat aus ihrem Brief an Annemarie Auer vom 24. März 1963: „Ich habe gelebt und gelebt und gelebt …“[37].

Die ostdeutsche Presse zeigte Brigitte Reimann als eine zwar kritische, aber durchaus vom Sozialismus überzeugte Autorin und ordnete die privaten Details der gesellschaftlichen Sicht unter:

„Menschliche Achtung als Ausdruck von Wert beginnt allmählich nicht mehr auf Respekt, sondern auf das zurückzugehen, was einer aus ihm eigenen Fähigkeiten, eigenem Vermögen gemacht hat, was er in die Gemeinschaft einbringt. Das ist einer der wesentlichen Prozesse, der sich in der sozialistischen Revolution vollzieht. Sehr genau stellt sich das bei Brigitte Reimann dar, einer im und für den Sozialismus schreibenden Schriftstellerin, die trotzdem gern auch einmal den ‚Schutz einer breiten Männerbrust‘ sucht, auch persönliche Beziehungen braucht, die sie behüten, sie beschützen.“[38]

Von nun an waren die Details aus Brigitte Reimanns Biografie untrennbarer Bestandteil der Veröffentlichungen über die Autorin. Auch die Jenaer Studentin Uta Thümler nutzte die Neuerscheinung und beschäftigte sich 1984 in ihrer Diplomarbeit mit dem, von der „Jungen Welt“ formulierten, Thema: „Franziskas Wege mußte sie selbst erst gehen“[39]. Thümler verglich die Briefe und Tagebuchaufzeichnungen mit dem Roman „Franziska Linkerhand“ und untersuchte, wie authentische persönliche Erlebnisse die Kunstwirklichkeit beeinflussen und durchdringen.[40]

… nach dem Erscheinen der Lizenzausgabe „Die geliebte, die verfluchte Hoffnung“ in der Bundesrepublik

Die große Resonanz auf Reimanns Selbstzeugnisse in der DDR machte auch die westdeutschen Verleger aufmerksam. Noch im selben Jahr veröffentlichte Luchterhand die bundesdeutsche Lizenzausgabe. Der geänderte Titel „Die geliebte, die verfluchte Hoffnung. Tagebücher und Briefe 1947-1972“[41] deutete die unterschiedliche Rezeption in den beiden deutschen Staaten bereits an.

Die Originalausgabe des Verlags Neues Leben war mit einer anderthalbseitigen Vorbemerkung der Herausgeber und einer ebenso langen Kurzbiografie von Brigitte Reimann ausgestattet gewesen. Letztere hatte jedoch persönliche Angaben zu Brigitte Reimann nahezu vollständig ausgeblendet und sich auf die literarische Vita beschränkt. Einzig der Beruf des Vaters und die Umzüge von Burg nach Hoyerswerda und von dort nach Neubrandenburg waren persönliche Daten, die den Lesern mitgeteilt wurden. Die deutlich ausführlichere Lebensdarstellung in der Lizenzausgabe enthielt Auskünfte über Brigitte Reimanns Erkrankung an Kinderlähmung, deren Nachwirkungen sie ihr Leben lang begleiteten, über ihre vier Ehen und nannte den Krebs als Ursache für den frühen Tod der Schriftstellerin. Zusätzliche Anmerkungen in der Luchterhand-Ausgabe vermittelten Informationen, die den Leserinnen und Lesern der DDR geläufig waren, in der Bundesrepublik aber nicht vorausgesetzt werden konnten, präzisierten die von Lewerenz und Elten-Krause in deren Vorbemerkung genannten Editionskriterien und gaben Hinweise zur Identifizierung der Briefempfänger:

„Da die Adressaten der Briefe von den Herausgebern nicht genannt wurden, wird der Leser einige Mühe haben, jeweils nach Inhalt und Schreibweise zu erschließen, welcher Empfänger in Betracht kommt bzw. ob er einen Brief- oder Tagebuchauszug vor sich hat. […] Unter den Briefen sind die zahlreichen an die Eltern deutlich zu unterscheiden durch den burschikosen, bewußt kindlich-naiv gehaltenen Ton, der oftmals in krassem Gegensatz zu gleichzeitigen Tagebucheintragungen steht.“[42]

Erst im Jahr 2014 wurden die Namen der Briefempfänger aufgelöst und eine Unterscheidung der Tagebuch- und Briefauszüge möglich gemacht.[43]

Die Presse-Resonanz auf die Lizenzausgabe war gewaltig und überstieg die der Originalausgabe in der DDR-Presse – in der die Lizenzausgabe keine Erwähnung fand – in Anzahl und Umfang deutlich. Etwa fünfzig, teilweise sehr ausführliche Artikel, erschienen in bundesdeutschen, österreichischen und Schweizer Zeitungen.

Die Überschrift der Süddeutschen Zeitung „Aus dem Nachlaß einer hierzulande Unbekannten“[44] brachte es einerseits auf den Punkt, war andererseits aber auch nicht ganz richtig, denn dem westdeutschen Lesepublikum – besonders den Leserinnen – war Brigitte Reimann bereits durch die bei Kindler (1974)[45] und im Deutschen Taschenbuch-Verlag München (1977)[46] erschienenen Lizenzausgaben von „Franziska Linkerhand“ als wichtige Vertreterin der DDR-Frauenliteratur bekannt.

Die Zeitungen griffen natürlich auch das Zitat „Ich habe gelebt und gelebt und gelebt“[47] auf, aber titelten insgesamt deutlich depressiver als die DDR-Presse: „Verfluchte Hoffnung“[48], „Ein schonungsloses Leben“[49], „Gegen den Schmerz“[50], „Schreiben: der wirklich tiefe Grund zum Leben“[51], „Dokumente von Lebensgier und Tapferkeit“[52], „Sehnsucht, Arbeit, Alltag“[53], „Ein Leben gegen den Kompromiß“[54], „Die kostbare Zeit“[55], „Die schwere Kunst des Möglichen“[56] oder, poetisch, „Immer schwebend zwischen Erinnerung, Erlebnis und Gespräch“[57].

Von dem „Bekenntnis zum Sozialismus und zu unserem sozialistischen Staat“[58], das die staatlich bestellten Gutachter Brigitte Reimanns Selbstzeugnissen attestiert hatten, nahm die bundesdeutsche Presse mehr oder weniger nichts wahr. Stattdessen lag der Focus der Rezensenten auf den privaten Details aus dem Leben der Autorin und ihrer, immer wieder und teilweise sehr deutlich geäußerten, Kritik an der Politik ihres Heimatlandes – gleichwohl, ohne dessen Existenzberechtigung an sich in Frage zu stellen.

Brigitte Reimanns Briefe und Tagebücher schienen also die, schon seit der Veröffentlichung der Lizenzausgabe von „Franziska Linkerhand“ (1974) etablierte, Sichtweise auf die Schriftstellerin als eine der wichtigsten Vertreterinnen der ostdeutschen Frauenliteratur zu bestätigen:

„An den Namen der Schriftstellerin Brigitte Reimann erinnert man sich bei uns vor allem, indem man an einen anderen denkt: ‚Franziska Linkerhand‘. […] Brigitte Reimann schreibt über ihre Leidenschaft und Zweifel; trotz aller Autonomie war sie immer auch auf der Suche nach einer Schulter zum Anlehnen […] Viermal war sie verheiratet, wohl auch, weil ohne Trauschein das Zusammen-Sein in der DDR damals noch verpönter war als heute. […] Und sie […] hat mit der Zeit wohl auch wachsende Zweifel an dem gehabt, was dem sozialistischen Realismus geschuldet sein sollte […].“[59]

… nach dem Mauerfall

Weitere Ausgaben von Briefen Brigitte Reimanns erschienen erst im wiedervereinigten Deutschland: Die Briefwechsel mit der Schriftstellerin Christa Wolf (1993)[60], dem Architekten Hermann Henselmann (1994)[61], der Jugendfreundin Veralore Schwirtz (1995)[62], dem Maler Dieter Dreßler (1999)[63], der Freundin Irmgard Weinhofen (2003)[64], dem zweiten Ehemann und Schriftsteller Siegfried Pitschmann (2013)[65], an die Eltern (2008)[66], mit den Geschwister (2018)[67] und mit dem Schriftstellerkollegen Wolfgang Schreyer (2018)[68].

Brigitte Reimanns Tagebücher wurden 1997 und 1998 unter den Titeln „Ich bedaure nichts“ und „Alles schmeckt nach Abschied“ veröffentlicht und waren wiederum eine Sensation.[69]

Nachdem die, nun wesentlich umfangreicher vorliegenden, Selbstzeugnisse von Brigitte Reimann im wiedervereinigten Deutschland erschienen waren, hätte man in der Rezeption einen gemeinsamen, gesamtdeutsch „veränderten Blick“ erwarten können. Das war jedoch nicht der Fall.

Unterschiede gab es lediglich in der ostdeutschen RezeptionIn den Zeitungen der neuen Bundesländer hatte sich der Grundtenor der Rezeption gründlich gewandelt.  Von den optimistischen Überschriften, die die DDR-Presse1983 gewählt hatte, wie „Neugier auf das Leben“[70] oder „Immer war da Lebenslust“[71], war nach der Wende plötzlich keine Spur mehr zu finden. Die Zeitungen der neuen Bundesländer titelten nun ähnlich depressiv wie das seinerzeit die westdeutsche Presse getan hatte: „Lebensgier einer Unglücklichen“[72], „Ohne Grenze zwischen Lust und Schmerz“[73], „Arbeit, Affären, Alkohol“[74] oder „Ich bin so gottverflucht allein“[75]. Hinzu kamen Überschriften, die die Systemkritikerin Reimann in den Vordergrund stellten wie „Leben im Treibhaus DDR“[76], „Als die Hoffnungen zu bröckeln begannen“[77], „Sie empfand keine Lust, mit der Macht zu flirten“[78] oder „Mein Land gefällt mir immer weniger“[79]. Und das, obwohl es sich doch um dieselben Tagebücher handelte – nur in einer wesentlich umfangreicheren Edition. Offensichtlich waren die „Neugier“ und die „Lebenslust“ plötzlich in den Hintergrund getreten.

1983 hatte es noch geheißen: „Brigitte Reimann gehörte aus eigenem Erleben zu den ersten Autoren unserer sozialistischen Gegenwartsliteratur, die den Weg junger Leute, gerade auch aus kleinbürgerlichen Elternhäusern, in für sie noch ungewohnte menschliche Beziehungen im sozialistischen Arbeits- und Lebensprozeß unserer Republik einfühlsam und überzeugend gestalteten.“[80] 1998 klang es so: „Der Sozialismus war nicht so, wie er hätte sein können und wie sie ihn einmal geträumt hat. Schon gar nicht in Hoyerswerda, der neuen Vorzeigestadt.“[81]

Die Zeitungen der Altbundesländer hingegen blieben sich weitgehend treu. In der öffentlichen Rezeption der alten Bundesländer war keine nennenswerte Veränderung gegenüber 1984 zu beobachten. „Blues des Ostens“[82], „Gepachtete Moral“[83] oder „Ohne Lust kein Leben“[84] trafen genau die Stimmungslage von 1984. Dazu kamen wiederum poetische Variationen wie „Amazone eines verlorenen Lands“[85] oder „Ich war ein gutgläubiger Narr“[86].

„Veränderter“ oder „unverstellter“ Blick?

Die größte Veränderung des Blicks auf Brigitte Reimann hat zweifellos die Tatsache bewirkt, dass ab 1983 zusätzlich zu ihren literarischen Texten private Selbstzeugnisse in Form von Briefen und Tagebüchern veröffentlicht wurden, die die Schriftstellerin aus einer bislang unbekannten persönlichen Perspektive zeigten.

Bei der beschriebenen unterschiedlichen Wahrnehmung dieser Selbstzeugnisse – vor und nach der deutschen Wiedervereinigung und aus der Sicht der neuen und der alten Bundesländer – entsteht der berechtigte Eindruck, dass es vor allem darum ging, zu vermitteln, was die Leser sehen sollten.

Doch geht es, insgesamt gesehen, bei der Lektüre von Brigitte Reimanns Briefen und Tagebüchern möglicherweise auch ganz entscheidend darum, was wir sehen wollenGeht es vielleicht bei der Rezeption der Selbstzeugnisse der Schriftstellerin nicht nur um einen „veränderten“, sondern auch um einen „unverstellten Blick“? Und ist dieser überhaupt möglich?

Es scheint, als ob man sich, gleichermaßen problemlos wie berechtigt, das aus den Worten der Reimann herauspicken könnte, was man ohnehin schon immer in ihr gesehen hatte – und vor allem das, was man sehen wollte.

Erklärt sich die Intensität, die ihre Texte ausstrahlen auch dadurch, dass sich ihre Leserinnen und Leser auf unterschiedlichste Weise in der Person Brigitte Reimanns und in den autobiografisch gefärbten Protagonistinnen und Protagonisten ihrer literarischen Texte wiederfinden? Dass sie sich der Schriftstellerin beim Lesen so nahe fühlen, als wäre sie eine enge Freundin oder eine Familienangehörige? Ist vielleicht genau das der Grund dafür, dass vor allem Brigitte Reimanns Selbstzeugnisse eine so große Leserschaft begeisterten und begeistern und dennoch in der Rezeption die beschriebenen konträren Aussagen produzier(t)en? Liegt darin die – trotz aller historisch-politischen Wechselspiele – ungebrochene Faszination für diese Frau?

Vielleicht gibt es eine Antwort „zwischen den Zeilen“?

Die populärste Rezeption von Brigitte Reimanns Tagebüchern nach der Wende war zweifellos die legendäre Diskussion zwischen Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler, Hellmuth Karasek und Jochen Hieber im „Literarischen Quartett“ vom 24. April 1998. Dass alle Anwesenden sich dadurch auszeichneten, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, war eines ihrer Markenzeichen.

Dass Reich-Ranicki, Löffler, Karasek und Hieber aber an diesem Abend – obwohl kontrovers über Reimann diskutierend – alle gleichermaßen für sie brannten, jeder sie auf seine ganz besondere Weise verteidigen und würdigen wollte, – demonstriert eindrucksvoll die besondere Faszination der Brigitte Reimann.

Die berühmten Reich-Ranicki-Zitate aus dem „Literarischen Quartett“ sind bekannt; nicht so bekannt ist Marcel Reich-Ranickis Schluss-Plädoyer:

„Und ich überlege mir jetzt zum Schluß, was sollen wir tun? Dieses Buch ist jetzt erschienen, was sollte man dieser ganz ungewöhnlichen Frau, dieser Brigitte Reimann, die nicht mehr lebt, [was sollte man] für sie tun? Was? Eine Straße nach ihr in Hoyerswerda benennen oder in Neubrandenburg, wo sie gelebt hat? Nein, ich habe einen anderen Vorschlag. Wir können für diese nicht lebende Autorin nur eins noch tun, für sie und für uns: ihr Buch lesen.“[87]

Der nach der Sendung einsetzende Reimann-Boom sprengte jeden Rahmen. Brigitte Reimann war endgültig im nun wiedervereinigten Deutschland angekommen.

Anmerkungen

Der Aufsatz ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung meines, 2014 in Neubrandenburg gehaltenen, Vortrags „Der andere Blick : Brigitte Reimanns Leben und Werk aus der Sicht Ost- und Westdeutschlands – vor und nach dem Mauerfall“ (In: Zwischen literarischer Ästhetik und sozialistischer Ideologie. – Berlin : Steffen-Verlag, 2015. – Seite 203-216). Die Veröffentlichung, auch nur auszugsweise oder jedwede sonstige Verwendung des Materials, sind nur mit meiner ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung gestattet.

[1] Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983.
[2] Lewerenz, Walter: Wie die Luft zum Atmen. – In: Für Dich, 1983. – Seite 30.
[3] Druckgenehmigungsvorgang zu „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“. – Bundesarchiv, DR 1/5436, Druck-Nummer 305/16/83.
[4] Ebd.
[5] Ebd.
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Ebd.
[9] Ebd.
[10] Reimann, Brigitte: Ich bedaure nichts. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1997. – Seite 118; Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983. – Seite 56.
[11] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1974.
[12] Brigitte Reimann verstarb nach schwerer Krankheit. – In: Neues Deutschland, 22.02.1973.
[13] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Kindler, 1974.
[14] Reimann, Brigitte; Steinhaußen, Klaus: Für mich ist Politik etwas sehr Persönliches. – In: Sonntag, 26.05.1963.
[15] Reimann, Brigitte; Höpcke, Klaus: Brigitte Reimann schreibt ihren ersten Roman. – In: Neues Deutschland, 11.07.1964.
[16] Reimann, Brigitte; Ebert, Günter: Gefühl für Städte. – In: Freie Erde, 16.05.1969.
[17] Pitschmann, Siegfried: Gedenken. – In: Sonntag, 04.03.1973.
[18] Auer, Annemarie: Ein genaues und tiefes Gefühl für Aktualität. – In: Neues Deutschland, 24.02.1973.
[19] Ebert, Günter: Gründlich und unermüdlich. – In: Freie Erde, 28.02.1973.
[20] Fuhlrott, Otto: Der Wirklichkeit ständig auf der Spur. – In: Volksstimme, 14.03.1973.
[21] Sakowski, Helmut: Brigitte Reimann. – In: Neue deutsche Literatur, 1974, Nummer 1. – Seite 97-105.
[22] Reimann, Brigitte; Auer, Annemarie: Zeugnis ablegen. – In: Was zählt, ist die Wahrheit. – Halle (Saale) : Mitteldeutscher Verlag, 1975. – Seite 287-330.
[23] Reimann, Brigitte; Henselmann, Hermann: Briefwechsel. – Berlin : Neues Leben, 1994.
[24] Elten-Krause, Elisabeth: Biografie zu Leben und Werk. – In: Brigitte Reimann. – Neubrandenburg: Literaturzentrum, 1978. – Seite 5-28.
[25] Elten-Krause, Elisabeth: Furchtlos, ungläubig heiter. – In: Freie Erde, 18.02.1978.
[26] Elten-Krause, Elisabeth: Versuche zum Mut. – In: Norddeutsche Neueste Nachrichten, 16.02.1978.
[27] Schubert, Sabine: Hohe Ansprüche an das Leben. – In: Volkswacht, 25.02.1978.
[28] Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1983.
[29] Heiden-Berndt, A.: „Ich habe gelebt und gelebt …“. – In: Freie Erde, 16.03.1983.
[30] Kleinteich, Sylvia: Schreibend über die Dinge kommen. – In: Neue Zeit, 21.02.1983.
[31] Duwe, Marlies: Neugier auf das Leben. – In: Freie Erde, 20.07.1983.
[32] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: National-Zeitung, 09.01.1984.
[33] Iser, Dorothea: Sie bleibt unsere Brigitte. – In: Volksstimme, 26.04.1984.
[34] Zenker, Hartmut: Botschaften und Vertraulichkeiten. – In: Freie Erde, 27.01.1984.
[35] Löffler, Anneliese: Zeugnisse eines unruhigen Lebens. – In: Berliner Zeitung, 03./04.03.1984.
[36] Feyerabend, Wolfgang: Franziskas Wege mußte sie selbst erst gehen. – In: Junge Welt, 20.07.1983.
[37] Zimmermann, Verena: Ich habe gelebt und gelebt und gelebt. – In: Solothurner Zeitung, 12.09.1984.
[38] Jarmatz, Klaus: Ansprüche ohne Abstriche. – In: Wochenpost, 16.03.1984.
[39] Thümler, Uta: Persönlich-Authentisches und Kunstwirklichkeit. – Jena : Friedrich-Schiller-Universität, 1985.
[40] Walter Lewerenz an Uta Thümler, 08.01.1985. – In: Thümler, Uta: Persönlich-Authentisches und Kunstwirklichkeit. – Jena : Friedrich-Schiller-Universität, 1985. – Anhang.
[41] Die geliebte, die verfluchte Hoffnung. – Darmstadt/Neuwied : Luchterhand, 1984.
[42] Ebd. Seite 356.
[43] Stella, Kristina: Brigitte Reimann : Kommentierte Bibliografie und Werkverzeichnis. – Bielefeld : Aisthesis, 2014.
[44] Franke, Konrad: Aus dem Nachlaß einer Hierzulande Unbekannten. – In: Süddeutsche Zeitung, 12./13.05.1984.
[45] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Kindler, 1974.
[46] Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. – München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1977.
[47] Matt, Beatrice von: Gelebt und gelebt und gelebt. – In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.1984.
[48] Grumbach, Detlef: Verfluchte Hoffnung. – In: Hamburger Rundschau, 18.04.1984.
[49] Krolow, Karl: Ein schonungsloses Leben. – In: Bergsträßer Echo, 19.04.1984.
[50] Zucker, Renée: Gegen den Schmerz. – In: Die Tageszeitung, 19.04.1984.
[51] Zeiger-Vogt, Marianne: Schreiben, der wirklich tiefe Grund zum Leben. – In: Neue Zürcher Zeitung, 27.04.1984.
[52] Eichmann-Leutenegger, Beatrice: Dokumente von Lebensgier und Tapferkeit. – In: Vaterland, 12.05.1984.
[53] Wiggershaus, Renate: Sehnsucht, Arbeit, Alltag. – In: Frankfurter Rundschau, 27.10.1984.
[54] Hochmüller, Almuth: Ein Leben gegen den Kompromiß. – In: Mannheimer Morgen, 24.05.1984.
[55] Ploetz, Dagmar: Die kostbare Zeit. – In: Deutsche Volkszeitung, 10.08.1984.
[56] Jäger, Manfred: Die schwere Kunst des Möglichen. – In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 08.07.1984.
[57] Brändle, Rea: „Immer schwebend zwischen Erinnerung, Erlebnis und Gespräch“. – In: Tages-Anzeiger, 03.08.1984.
[58] Druckgenehmigungsvorgang zu „Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern“. – Bundesarchiv, DR 1/5436, Druck-Nummer 305/16/83.
[59] Reichart, Manuela: Geliebte, verfluchte Hoffnung. – In: Die Zeit, 09.11.1984.
[60] Reimann, Brigitte; Wolf, Christa: Sei gegrüßt und lebe. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1993.
[61] Reimann, Brigitte; Henselmann, Hermann: Briefwechsel. – Berlin : Verlag Neues Leben, 1994.
[62] Reimann, Brigitte; Schwirtz, Veralore: Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf! – Berlin : Elefanten Press, 1995.
[63] Reimann, Brigitte; Dreßler, Dieter: Eine winzige Chance. – Berlin : Edition Mariannenpresse, 1999.
[64] Reimann, Brigitte; Weinhofen, Irmgard: Grüß Amsterdam. – Berlin : Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 2003.
[65] Reimann, Brigitte; Pitschmann, Siegfried: „Wär schön gewesen!“ – Bielefeld : Aisthesis, 2013.
[66] Reimann, Brigitte: Jede Sorte von Glück. – Berlin : Aufbau-Verlag, 2008.
[67] Post vom schwarzen Schaf. – Berlin : Aufbau-Verlag, 2018.
[68] Reimann, Brigitte; Schreyer, Wolfgang: Ich möchte so gern ein Held sein. – Berlin : Okapi, 2018.
[69] Reimann, Brigitte: Ich bedaure nichts. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1997; Reimann, Brigitte: Alles schmeckt nach Abschied. – Berlin : Aufbau-Verlag, 1998.
[70] Duwe, Marlies: Neugier auf das Leben. – In: Freie Erde, 20.07.1983.
[71] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: National-Zeitung, 09.01.1984.
[72] Heise, Ulf: Lebensgier einer Unglücklichen. – In: Thüringer Allgemeine, 20.02.1998.
[73] Wolf, Matthias: Ohne Grenze zwischen Lust und Schmerz. – In: Die Welt, 23.09.1997.
[74] Kaufmann, Ulrich: Arbeit, Affären, Alkohol. – In: Thüringische Landeszeitung, 11.04.1998.
[75] Heise, Ulf: „Ich bin so gottverflucht allein“. – In: Märkische Allgemeine, 21.04.1998.
[76] Liebers, Peter: Leben im Treibhaus DDR. – In: Märkische Oderzeitung, 14.01.1998.
[77] Walther, Joachim: Als die Hoffnungen zu bröckeln begannen. – In: Berliner Morgenpost, 11.01.1998.
[78] Heise, Ulf: Sie empfand keine Lust, mit der Macht zu flirten. – In: Leipziger Volkszeitung, 23.04.1998.
[79] Liersch, Werner: Mein Land gefällt mir immer weniger. – In: Der Freitag, 03.07.1998.
[80] Eichler, Wilfriede: Immer war da Lebenslust. – In: Nationalzeitung, 09.01.1984.
[81] Kalenderblatt Brigitte Reimann. – In: Sächsische Zeitung, 20.02.1998.
[82] Siemons, Mark: Blues des Ostens. – In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.1998.
[83] Rauh, Inge: Gepachtete Moral. – In: Nürnberger Nachrichten, 16.01.1998.
[84] Stempel, Hans: Ohne Lust kein Leben. – In: Frankfurter Rundschau, 17.01.1998.
[85] Overath, Angelika: Amazone eines verlorenen Lands. – In: Neue Zürcher Zeitung, 07.05.1998.
[86] Mischke, Roland: „Ich war ein gutgläubiger Narr“. – In: Handelsblatt, 26./27.06.1998.

[87] Das literarische Quartett. – Berlin : Directmedia, 2006. – Band 3, Seite 86-87.